Erfahrungsbericht · Kinderarztpraxis Kinderleicht

Über 100 Kinder am Tag, und trotzdem Zeit fürs Gespräch

Dr. Nicole Toussaint-Götz und Dr. Sebastian Bartels führen eine vielbesuchte Kinderarztpraxis. Berufstätige Eltern, ungeduldige Kinder, volle Wartezimmer. So lief die Einführung von KI Doku, mit allem, was dabei schiefging und was am Ende herauskam.

80 Min.weniger Dokumentation pro Tag
bis 15zusätzliche Patient:innen täglich
< 3 Monatebis zur Amortisation

Dr. Bartels über KI Doku und KI Scan im Praxisalltag. Das Video liegt bei YouTube und lädt erst nach Ihrem Klick.

Ausgangspunkt: Eine Praxis mit großem Herzen und begrenzter Zeit

Die Kinderarztpraxis Kinderleicht behandelt täglich über 100 Kinder. Damit alles rundläuft, braucht es reibungslose Abläufe, schnelle Entscheidungen und vor allem eins: volle Aufmerksamkeit für jedes einzelne Kind. Genau diese Aufmerksamkeit leidet, wenn Zeit in Dokumentation, Formulararbeit oder Technikprobleme fließt.

Mit der Frage „Wie kann KI helfen, den Praxisalltag stress- und reibungsfreier zu gestalten, ohne an Qualität in Betreuung und Behandlung einzubüßen?" wandte sich Dr. Bartels an uns.

Das Setup

Für die Pilotphase entschieden wir uns für ein Setup aus einer Transkriptionskomponente mit hoher Aufnahmequalität und einer strukturierten Zusammenfassung, die für medizinische Sprache eingerichtet wurde. Das Transkript wird auf Wortebene strukturiert und in die Abschnitte Anamnese, Befunde und Therapie überführt. Die Übergabe in die Praxissoftware T2med läuft über die GDT-Schnittstelle.

Getestet wurde mit rund 20 anonymisierten Anamnese-Dokumentationen aus der letzten Praxiswoche und 20 realen Aufnahmen. Parallel klärten wir Datenschutzfragen, Löschfristen und die Information der Patient:innen, mit klaren Regeln für sichere Speicherung und zeitnahe Löschung der Audiodaten. Die Hardware wurde zunächst in zwei Behandlungszimmern installiert.

Erste Ergebnisse

Schon der erste Prototyp zeigte, was möglich ist: Der Entwurf erfasste die Inhalte und schrieb im gewohnten ärztlichen Sprachduktus. In der ersten Testwoche zeigte sich:

  • In 90 Prozent der Fälle konnte der Entwurf unverändert übernommen werden.
  • In 10 Prozent waren Ergänzungen oder kleine Korrekturen nötig.
  • Nur bei starkem Hintergrundlärm oder überlappenden Gesprächen mussten Anpassungen erfolgen, meist geringfügig.

Ein Beispiel: Bei einem Akuttermin wegen einer Mittelohrentzündung gab der Entwurf den gesamten Gesprächsverlauf korrekt wieder, konnte das betroffene Ohr aber nicht der rechten oder linken Seite zuordnen. Beim Nachhören der Aufnahme war das auch für uns nicht möglich: Stimmengewirr im Behandlungszimmer. Die Erkenntnis: Der prüfende Blick der behandelnden Ärztin oder des Arztes ist und bleibt ein Muss.

Fünf Herausforderungen auf dem Weg

1. Latenz

Ein Entwurf muss sofort da sein, nicht erst nach 15 Minuten. Nur so passt er in den Ablauf. Durch gezielte Optimierungen kam die Reaktionszeit auf wenige Sekunden.

2. Qualität der Aufnahmen

In Kinderarztpraxen wird selten nacheinander und in Ruhe gesprochen. Akustische Filter, gute Hardware und eine klare Raumaufteilung sorgten für bessere Transkripte.

3. Hardware

An einem Testwochenende installierten wir verschiedene Mikrofone in zwei Behandlungszimmern. Ergebnis: Die Gerätequalität beeinflusst das Ergebnis massiv. Gute Hardware zahlt sich aus.

4. Datenschutzbedenken vorwegnehmen

Viele Menschen stehen Audioaufnahmen skeptisch gegenüber, gerade im Gesundheitsbereich. Dank des Vertrauens in das Praxisteam und offener Kommunikation erreichte die Praxis eine Zustimmungsquote von über 90 Prozent. Der Schlüssel: eine klare Aufklärungsroutine ab dem ersten Patienten.

5. Die Kontrolle bleibt bei Ärztin und Arzt

So gut das System auch ist, es arbeitet mit unperfekten Informationen, etwa uneindeutigen Aufnahmen. Der menschliche Check an den wichtigen Punkten im Prozess bleibt ein zentraler Qualitätsfaktor.

Das Ergebnis: Mehr Zeit, weniger Stress, bessere Akten

Innerhalb weniger Wochen hat KI Doku in der Praxis Kinderleicht sichtbare Spuren hinterlassen:

  • rund 80 Minuten Zeitersparnis pro Tag
  • Kapazität für bis zu 15 zusätzliche Patient:innen täglich
  • Amortisation der Investition in unter drei Monaten

Das Beispiel zeigt, welchen Wert KI haben kann, wenn sie Menschen von repetitiven Aufgaben entlastet und Freiräume für das Gespräch schafft. Sie ersetzt keine ärztliche Kompetenz. Sie hilft Ärztin und Arzt, sich mit weniger Multitasking auf die Patient:innen zu konzentrieren.

Stimmen aus weiteren Partner-Praxen

Anfangs war ich noch skeptisch, aber als ich gemerkt habe, wie viel Zeit und Mühe wir mit der KI im Praxisalltag einsparen, war ich sofort überzeugt.
Miriam WinkelmannInternistin und Praxisinhaberin, Gemeinschaftspraxis Winkelmann und Bächle

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